19.4.03
Jahrmarkt der Wunder
Ein Alltagswunder:
daß es so viele Alltagswunder gibt.
Ein gewöhnliches Wunder:
das Bellen unsichtbarer Hunde in einer stillen Nacht.
Ein Wunder von vielen:
eine kleine und flüchtige Wolke,
aber sie kann den großen und harten Mond verschwinden lassen.
Mehrere Wunder in einem:
eine Erle, die sich im Wasser spiegelt,
und daß sie von links nach rechts gewendet ist
und daß sie mit der Krone nach unten wächst
und überhaupt nicht bis auf den Grund reicht,
obwohl das Wasser seicht ist.
Ein Wunder an der Tagesordnung:
recht schwache und milde Winde,
doch in der Sturmzeit böig.
Ein erstbestes Wunder:
Kühe sind Kühe.
Ein zweites, nicht geringeres:
dieser und kein anderer Garten
in diesem und keinem anderen Obstkern.
Ein Wunder ohne schwarzen Frack und Zylinder:
ausschwärmende weiße Tauben.
Ein Wunder, denn was sonst:
die Sonne ging heute um drei Uhr vierzehn auf
und sie wird untergehen null Uhr eins.
Ein Wunder, das nicht so verwundert, wie es sollte:
die Hand hat zwar weniger Finger als sechs,
dafür mehr als vier.
Ein Wunder, so weit man schauen kann:
die allgegenwärtige Welt.
Ein beiläufiges Wunder, beiläufig wie alles:
was undenkbar ist - ist denkbar.
Ist das schööööööööön.....





