31.7.03
Heute morgen konnte ich glatt nicht die Augen von ihm lassen. So ernst die Sache auch gewesen ist: Welt.de, Bilder des Tages.
Andere Links, gefunden bei Martin: Ask NOAH about: Attention Deficit Disorder und 500.000 deutsche Kinder leiden unter ADS (Welt am Sonntag, 27.07.2003):
500.000 deutsche Kinder leiden unter ADS
Manche Schüler fangen alles an, bringen aber nichts zu Ende und zappeln ewig herum. Sie erinnern an die Geschichte von Heinrich Hoffmanns "Zappelphilipp". Was zu Struwwelpeters Zeiten noch als Unart galt, hat heute einen Namen: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität (ADS oder ADHS). Inzwischen ist das Phänomen die am häufigsten diagnostizierte Störung bei Kindern und Jugendlichen. Nach Angaben des Bundesverbandes Aufmerksamkeitsstörung e.V. leiden etwa 400 000 bis 500 000 Kinder zwischen sechs und 18 Jahren an ADS.
AD(H)S steht für eine krankhafte Konzentrationsstörung bei Kindern und ist ein komplexes, genetisch bedingtes Phänomen. Die betroffenen Kinder haben eine andere Art, Informationen aufzunehmen, zu sortieren, zu verarbeiten und abzuspeichern. Ihre Gefühlswelt schwankt häufig zwischen den Extremen. Bei ihnen stehen die für die Informationsverarbeitung im Gehirn notwendigen Botenstoffe, die so genannten Neurotransmitter, nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Die Kinder scheinen ständig unter Strom zu stehen und belasten mit ihrer Unruhe ihr gesamtes Umfeld.
"Damit ist die Schullaufbahn gefährdet, denn die Betroffenen können sich nicht konzentrieren, und das wirkt sich auf die Leistungen aus - obwohl ADHS keine Frage der Intelligenz ist", sagt Gertraude Fydrich, erste Vorsitzende des Bundesverbandes Aufmerksamkeitsstörung e.V. Fydrich: "Andererseits haben die Kinder oft eine erhöhte Kreativität in vielen Bereichen, einen starken Gerechtigkeitssinn, eine große soziale Ader und die Fähigkeit zu unkonventionellen Lösungen."
Sowie: Aufmerksamkeitsstörungen auch bei Erwachsenen möglich (NRZ-Online, 31.07.2003):
Aufmerksamkeitsstörungen auch bei Erwachsenen möglich
Bei Kindern ist es als "Zappelphilipp-Syndrom" bekannt: Aber auch Erwachsene können davon betroffen sein, manche Menschen haben eine Veranlagung für das so genannte Aufmerksamkeitsdefizit.
Der Existenzgründer hat tausend Ideen im Kopf, doch er lässt sich ständig ablenken. So oder ähnlich geht es Menschen mit einem so genannten Aufmerksamkeitsdefizit, auch ADS/ADHS genannt. Das Leiden ist vor allem als ťZappelphilipp-SyndromŤ bei Kindern bekannt. Dass auch Erwachsene davon betroffen sein können, ist weniger geläufig. Einige Menschen haben eine Veranlagung zur Aufmerksamkeitsschwäche. Normalerweise haben sie als Erwachsene zu kaschieren gelernt, dass sie sprunghaft und impulsiv sind. Es gibt jedoch auch den stillen Typ. Im Innern ist er jedoch hoch aktiv. ťEr ist hin- und hergerissenŤ, erklärt der Facharzt Lothar Imhof aus Ahrensburg bei Hamburg. Diese Menschen litten ungemein. Das führe zu Aktionsarmut und in der Folge zu massiven Selbstwertproblemen.
Oft kommen Erwachsene wegen ganz anderer Probleme in die Praxis des Spezialisten für psychotherapeutische Medizin: ťSie sind depressiv, klagen über berufliche oder partnerschaftliche Belastungssituationen. ADS kann die Ursache sein.Ť Imhof fragt nach der Lebensgeschichte, lässt Fragebögen ausfüllen und erhebt eine strukturierte Vorgeschichte der Krankheit. ťUm die Diagnose ADS bei Erwachsenen zu stellen, muss nachgewiesen werden, dass die Symptome durchgängig im bisherigen Leben auftauchten.Ť
Betroffene sind oft unfähig zu planvollem Handeln und fallen durch mangelnde Selbststeuerungsfähigkeit auf. Generell führt ADS - im Zusammenspiel mit übersteigertem Bewegungsdrang (Hyperaktivität) als ADHS bezeichnet - zu teils schwerwiegenden Beeinträchtigungen bei vielen geistigen Fähigkeiten.
Als Ursache wurde bisher eine Art Stoffwechselstörung im Stirnhirnbereich ausgemacht. Es kommt zu minimalen Funktionsstörungen bei der Weiterleitung von Reizen entlang der Nervenbahnen. Diese Reizleitung basiert auf so genannten Neurotransmitterstoffen wie Dopamin und Noradrenalin, die der Körper selbst produziert. Bei ADS-Betroffenen ist diese Versorgung aus dem Gleichgewicht.
Viele Patienten fühlen sich erleichtert nach der Diagnose. Endlich verstehen sie, was mit ihnen los ist. ťUnpünktlich bin ich weiterhin. Aber ich gehe anders damit umŤ, berichtet Anne Liegel aus Uttenreuth bei Erlangen. Zappeligen Kindern, die unter einer Aufmerksamkeitsstörung leiden, werden häufig stimulierende Substanzen wie Ritalin verschrieben. Dieses Mittel ist für Erwachsene allerdings nicht zugelassen. Es wird nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums nur im Ausnahmefall verschrieben. ťMethylphenidatpräparate - Ritalin ist nur eines von mehreren - erleichtern dem Patienten, achtsamer und kontrollierter zu sein. Dosis und Intervalle müssen auf den Einzelfall angepasst werden, und regelmäßig muss eine Verlaufskontrolle stattfindenŤ, erläutert der Psychiater Martin Winkler aus Lüneburg.
Winkler, der auch Koordinator eines Patienteninformationsprojekts der Europäischen Union ist, nennt als weitere Hilfe das Trainieren von Fertigkeiten wie Zuhören, Konfliktmanagement und Selbstorganisation sowie eine Stärkung des Selbstwertgefühls.
Informationen: Bundesverband Aufmerksamkeitsstörungen/ Hyperaktivität (BV-AH), Postfach 60, 91291 Forchheim, Tel.: 09191/70 42 60, Fax: 09191/348 74.





