11.9.03
Schützt Spinat vor Depressionen? (Deprea-Newsletter)
Berlin (LIFELINE) - Folsäurereiche Lebensmittel wie Spinat, Eier und Nüsse mindern möglicherweise das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Denn die zum Vitamin-B-Komplex zählende Folsäure ist am Abbau verschiedener Eiweißbausteine beteiligt, so bei der Verstoffwechslung der Aminosäure Homocystein. Wird dem Körper zu wenig Folsäure zugeführt, steigt der Homocystein-Spiegel im Blut an - zum Nachteil der Gesundheit, wie eine große Studie nun zeigte.
Norwegische Wissenschaftler haben knapp 6.000 Männer und Frauen untersucht und festgestellt, dass Menschen mit hohen Homocystein-Werten doppelt so häufig an Depressionen leiden wie Menschen mit einem normalen Homocystein-Haushalt. Damit werden frühere Studienergebnisse gestützt, wonach Folsäure die Wirkung von Antidepressiva verstärken kann. Auch DNA-Analysen zeigten, dass Menschen, denen ein bestimmtes Gen für den Folsäure-Stoffwechsel fehlt, stärker zu Depressionen neigen. "Vitamine wie Folsäure sind somit nicht nur für die körperliche sondern auch für die geistige Gesundheit unentbehrlich", folgern die Wissenschaftler. Ein Mangel an Folsäure äußert sich meist in unspezifischen Symptomen wie Reizbarkeit und Konzentrationsschwäche.
Zu folsäurehaltigen Produkten zählen grüne Blattgemüse, wie Spinat - nach dessen Blättern (folium) die Substanz benannt wurde. Aber auch Weizenkeime, Vollkornprodukte, Eier, Hefe, Nüsse und Rinderleber besitzen einen hohen Folsäure-Gehalt. Übrigens: Auch andere Faktoren tragen dazu bei, das der Homocystein-Spiegel im Blut ein zu hohes Niveau erreicht. Dazu zählen regelmäßiger Alkoholgenuss und übermäßiger Kaffeekonsum.
Studie: Depressionen verändern den Zeithorizont (Netdoktor.at)
Wer unter Depressionen leidet, geht nach Meinung von Psychologen der Universität Jena häufig des realen Zeitgefühls verlustig. So sei bei vielen dieser Patienten etwa die Fähigkeit gestört, die Dauer eines Zeitintervalls richtig einzuschätzen, erklärt Studienleiterin Brigitte Edeler. "Zum Beispiel empfinden Betroffene bei Verabredungen das Warten als unendlich lange, obwohl es sich tatsächlich nur um wenige Minuten handelt." Dieses "Zeitlupengefühl" könne in jeder beliebigen Situation auftreten und sei für die Betroffenen quälend. Darüber hinaus seien bei Depressiven aber auch Pünktlichkeit, Zeiteinteilung und Stressresistenz vielfach beeinträchtigt. Weil an Depressionen erkrankte Menschen unter Antriebslosigkeit leiden, planten sie ihren Alltag weniger häufig und konkret als psychisch gesunde Menschen. "Deshalb fällt es ihnen schwerer, ihre Zeit einzuteilen und sich an Termine zu halten", weiß Edeler. Gleichzeitig fühlten sich die Patienten häufig innerem Zeitdruck und Stress ausgesetzt - dies sei etwa der Fall, wenn ihre Antriebslosigkeit mit den Anforderungen der Umwelt kollidiere.
Hinzu komme ein veränderter Zeithorizont. "Wegen ihres Gefühls, ihre aktuellen Probleme nicht lösen zu können, verklären Depressive oft die Vergangenheit und sehnen sich nach ihr zurück", führt Edeler aus. Für das Forschungsprojekt wurden Patienten von Fachkliniken in Thüringen, Bayern, Schleswig-Holstein und Sachsen interviewt, in einem nächsten Schritt will man nun auch Ärzte befragen. Weitere mit der Veränderung des Zeitgefühls verbundene Fragen sollen bis zum Abschluss der Untersuchung im kommenden Jahr noch geklärt werden. "Was wir noch besser verstehen möchten, sind die Zusammenhänge zwischen dem Zeiterleben der Patienten und ihrer Persönlichkeit, ihrem sozialen Umfeld, der Art ihrer Depression und dem Stadium ihrer Krankheit."





