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16.2.04

Gemeinsame Sorge  
Was Mütter sich von Vätern wünschen, damit der Umgang klappt
(Auszug aus Familienhandbuch.de)
Es ist seltsam, aber es scheint tatsächlich so zu sein, dass Männer oftmals schlicht nicht wissen, was Frauen von ihnen wollen, und dies auch so bleibt, wenn sie Eltern sind. Das wirkt sich in der Krisenfamilie meist so aus, dass Mütter Angst um ihre Kinder haben, "wenn Papa, dieser Chaot, mit ihnen was macht." Und dass Väter überzeugt sind, die Mutter seiner Kinder "habe einen an der Klatsche", weil sie "keinem was zutraut".

Um diese Vorstellungen und die damit verbundenen Gefühle in den Griff zu kriegen, müssen Eltern miteinander reden: Abklären, was sie wollen, was sie geben können und was sie nehmen müssen, das Wie und Wo und Wann abstecken und feste Regeln setzen. Zusätzlich sind Vereinbarungen zu treffen, wie Fehlverhalten zu vermeiden oder sogar zu "bestrafen" ist.


Wunschzettel:
Der Vater soll zuverlässig sein.
Er soll sich nicht um Unterhaltszahlungen drücken, sondern einen Dauerauftrag ausfüllen und sich an unvorhersehbaren, unvermeidlichen Ausgaben für die Kinder beteiligen.
Es soll für ihn selbstverständlich sein, den Unterhalt zu zahlen. Er soll die Mutter deshalb nicht demütigen oder sie behandeln, als würde sie ihm Unrecht antun. Er soll wissen, dass die Mutter ihren Anteil an Unterhalt leistet. Und sie demütigt die Kinder auch nicht, obwohl sie von ihr versorgt werden müssen.
Er soll die Mutter nicht beschämen, indem er bei jedem Umgangstermin betont, wie teuer ihm diese mit den Kindern verbrachte Zeit käme und ob die Mutter dazu nichts von ihrem Unterhalt beisteuern oder auf einen Teil des Unterhalts verzichten wolle. Auch wenn diese weiß, dass die Lebenshaltungskosten mit Kinder höher sind als ohne, hat sie meist nicht die Mittel, ihre laufenden Verpflichtungen zu kürzen und dem Vater einen Zuschuss zum Umgangswochenende zu geben.
Er soll Kinder erziehen, indem er ihnen Liebe zeigt, Lob ausspricht, Anerkennung gibt und Mut macht.
Er soll sie nicht mit seinem Tadel nieder machen, sie anbrüllen und einschüchtern, sondern seine schlechte Laune am Arbeitsplatz lassen und ein freundliches Gesicht machen, wenn er von der Arbeit kommt.
Er soll den Kindern keine Versprechungen geben, die er nicht hält.
Er soll sie nicht anlügen. Auch wenn er meint, dass es ja bloß ein Witz oder ein Spiel war.
Er soll den Kindern beweisen, dass er sie nicht verlässt. Dazu muss er für sie erreichbar sein, wenn sie ihn brauchen, und auch kommen, wenn er gebraucht wird. Wenn er nur dann kommt, wenn er Zeit oder gerade Lust dazu hat - sodass es ein Besuch ist, den er vor allem zu seinem eigenen Besten will -, ist das unehrlich gegenüber den Kindern.
Er soll nicht beleidigt sein, wenn die Kinder an einem Umgangstag keine Lust haben und lieber zu einer Freundin wollen, weil sie Geburtstag feiert oder sie beide spielen wollen. Das kann die Mutter nicht immer verhindern.
Die Kinder sollen einen ganz natürlichen Umgang mit ihrem Vater haben. Dazu gehört, dass sie auch mal ganz überraschend keine Lust haben dürfen. Wenn der Vater das nicht akzeptiert, sondern meint, wenn er kommt, muss das Kind sich auf ihn gefreut haben und sofort für ihn da sein, kann es in Wirklichkeit ganz anders sein. Das heißt ja nicht, dass das Kind ihn nicht liebt. Aber Kinder haben ihre eigenen Pläne. Sie funktionieren eben nicht immer so, wie Eltern meinen. Wenn der Vater dann vor der Tür steht, muss die Mutter so tun, als wäre keiner zu Hause. Was soll sie denn machen, wenn das Kind keine Lust hat, ihn zu sehen? Auch wenn Eltern am Tag vorher noch ausgemacht haben, dass der Vater kommt, kann die Mutter das Kind nicht zwingen, mit dem Vater zusammen zu sein. Das ist gegen jede partnerschaftliche Erziehung zur Eigenständigkeit des Kindes. Väter, die das nicht begreifen, respektieren Kinder nicht wirklich. Stattdessen bilden sie sich ein, die Mutter hätte den Umgang behindert, und sind wütend.
Er soll von den Kindern kein Verhalten verlangen und durchsetzen, das er selbst nicht zeigt. Er soll Vorbild sein und sich entsprechend benehmen.
Er soll die Kinder nicht schlagen. Er soll sich klar machen, dass Kinder klein sind, schwach sind und keine Chance haben, sich gegen ihn zu wehren. Wie würde er sich denn fühlen, wenn er von seinem Chef jedes Mal geschlagen würde, wenn er mal ein Wort sagt, das diesem nicht passt, oder wenn er einen Fehler bei der Arbeit gemacht hat oder ungewaschen ins Bett liegt?
Er soll die Mutter nicht vor den Kindern schlecht machen. Wenn sie etwas falsch gemacht hat, soll er nicht behaupten, es war richtig. Aber er soll den Kindern erklären, dass jeder einmal Fehler macht - auch die Mutter. Er soll die Kritikfähigkeit der Kinder nicht verhindern, sondern fördern. Aber er soll sie auch das Verstehen und Verzeihen lehren.
Er soll die Kinder nicht in seine persönlichen Sorgen einweihen, wenn diese die Kinder beunruhigen oder ängstigen. Die Kinder sind nicht dazu da, den Vater zu stützen, sondern umgekehrt.
Er soll die Kinder nicht zu Liebesbeweisen zwingen und sie nicht vor die Wahl stellen, wen sie lieber haben, Mutti oder Vati. Die Kinder werden dann lügen oder bekommen ein schlechtes Gewissen.
Er soll die Kinder jeden Tag ein paar Minuten lang anrufen. Und zwar jedes Kind - nicht nur eines. Die anderen warten auch. Wenn er nicht mit ihnen spricht, sind sie traurig und eifersüchtig, weil sie glauben, dass er sie weniger liebt. Die Mutter muss dann versuchen, die Kinder zu trösten und ihnen das Verhalten des Vaters so zu erklären, dass es sie nicht mehr schmerzt. Wenn der Vater sich öfter so verhält, kann die Mutter dies nicht mehr ausgleichen. Dann behauptet der Vater, sie habe die Kinder gegen ihn aufgehetzt. Er ist wütend auf die Mutter. Die Kinder solidarisieren sich mit der Mutter, weil sie genau wissen, was wirklich passiert ist. Irgendwann wollen sie nicht mehr mit dem Vater reden. Dann behauptet der Vater, es sei Schuld der Mutter.
Wenn er nicht jeden Tag anrufen will, soll er einen Tag ausmachen, an dem er es tut. Daran muss er sich halten. Die Kinder warten sonst vergeblich und sind von ihm enttäuscht.
Wenn er nicht anrufen will, soll er jede Woche eine Karte an die Kinder schreiben. Aber entweder an alle zusammen oder an jedes eine Karte.
Er soll sich wirklich für die Kinder interessieren, nicht ständig vergessen, was sie gern mögen und was nicht, und ihnen bei der Lösung von Alltagsproblemen beistehen - auch dann, wenn die Kinder weit weg wohnen und er sie nicht so oft sieht. Es gibt ja ein Telefon oder die Post.
Er soll den Kummer der Kinder ernst nehmen, also nicht sagen, das ist doch nichts, das vergeht schon wieder. Er soll sich Zeit nehmen zum Zuhören und nicht mit den Gedanken ganz woanders sein. Kinder merken das.
Er soll mit den Kindern nicht ständig etwas Tolles unternehmen. Er soll ihnen nicht dauernd etwas zu bieten versuchen. Er kann sie nicht kaufen. Und sie lieben ihn nicht stärker, weil er so ein Held ist. Er soll ein wichtiger Mensch für die Kinder sein, kein Alleinunterhalter. Ein solches Angebot misslingt auf Dauer, weil
die Ansprüche der Kinder dadurch hoch geschraubt werden.
Mütter die Angebote für ihre Kinder aus Geldmangel oder anderen Gründen klein halten (müssen).
der Vater ein schlechtes Gewissen bei der Mutter weckt, wenn er trotz seines eigenen Geldmangels mehr bietet. Daraus entsteht die Angst, in der Wertschätzung der Kinder hinter den Vater zurückgedrängt zu werden.
Er soll die Kinder nicht umerziehen wollen, wenn er sie sieht. Kinder sind keine Wachsfiguren. Sie müssen nicht ständig geknetet und verbogen werden. Wenn er sie nicht so mag, wie sie sind, spüren Kinder das.
Im Umgang zwischen Mutter und Vater bestehen Mütter auf Verbindlichkeiten. Vielleicht haben sie den Vater während der Ehe als unzuverlässig wahrgenommen, als Despoten oder Egoisten. Die Erwartungshaltung liegt ständig auf der Lauer, bei kleinsten Parallelitäten den Umgang mit dem Vater als für das Kind ähnlich belastend zu bewerten. Der Vater sollte es sich deshalb zur Regel machen, Absprachen und Vereinbarungen genau einhalten - und zwar auch dann, wenn er dies als Blödsinn verachtet.
Unvorhergesehene Terminverschiebungen müssen unbedingt sofort mit der Mutter besprochen werden. Sie in Unruhe und in die Angst zu versetzen, es könne den Kindern beim Vater etwas zugestoßen sein, wirken sich als Gift auf künftige Umgangszeiten aus.
Väter erwarten oft, dass Mütter die gemeinsamen Kinder zu einem bestimmten Treffpunkt bringen, wo er sie dann abholen und zu sich mitnehmen kann. Mütter sind damit selten einverstanden. Sie planen und nutzen die kinderfreie Zeit für ihre eigenen Unternehmungen. Die Anspruchshaltung der Väter bringt viele Mütter dazu, künftig den Umgang zu verweigern. Akzeptabel fänden sie es hingegen, wenn der Vater frühzeitig Absprachen mit der Mutter treffen würde, weil sie dann eventuell umdisponieren könnten.
Insgesamt wünschen sich Mütter, dass der Vater das Kind nicht in Konflikte stürzt. Er soll nicht erwarten, dass die zwischen Kind und Mutter getroffenen Vereinbarungen weniger wichtig sind als seine eigenen. Ein Kind, das der Mutter versprochen hat, um sechs Uhr zu Hause zu sein, sollte auch um diese Uhrzeit dort sein. Kann es sein Wort nicht halten, bekommt es ein schlechtes Gewissen und Loyalitätskonflikte. Diese belasten das Kind. Mütter stellen anschließend fest, dass es nach dem Besuch beim Vater schlecht schläft oder Bauchweh hat. Spontan neigen sie dazu, das Kind vor einer Wiederholung zu schützen und den Umgang zu verweigern.
Vaterschaft nach der Trennung von der Partnerin ist nicht leicht. Aber Mutterschaft auch nicht. Einfacher wird es für Vater, Mutter und Kinder, wenn die Eltern Sorgerecht und Sorgepflicht ernst nehmen. Sie sollten in ihrem neuen Leben als wichtigste Grundsatzregel verinnerlichen, dass man sich wohl von Tisch und Bett scheiden lassen kann, von seinen gemeinsamen Kindern aber nicht. Elternschaft ist für immer.



 

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